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3.2012 erscheint am 15.02.2012

Züchten heißt loslassen.

Jeder Züchter ist regelmäßig mit dem Problem – oder auch der Freude – des Loslassens konfrontiert.

Bei der Definition „Züchter„ denken wir an dieser Stelle nicht an Islandpferdeliebhaber, die alle paar Jahre ein Fohlen mit dem definierten Vorsatz züchten, dieses neue Pferd auch selber zu behalten, sondern an die vielen Züchter, die ihre Zuchtprodukte verkaufen wollen oder müssen. Die Fohlen, Jungpferde oder auch schon ausgebildeten Tiere aus einer – hoffentlich gut überlegten – Anpaarung müssen irgendwann den Hof verlassen. Dies kann schmerzhaft sein, denn jeder Züchter hat hoffentlich viele Gedanken und Überlegungen in sein zukünftiges Zuchtprodukt investiert, es aufgezogen, die Entwicklung beobachtet, sich an dem wachsenden Pferdchen erfreut und es möglicherweise noch ausgebildet.

Gleichzeitig muss jedem Züchter schon vor dem Bedecken seiner Stute(n) klar sein, dass dieser Tag kommt.
Und es steckt auch viel Freude darin - ungeachtet aller kommerziellen Überlegungen – das Glück neuer Besitzer zu erleben und hoffentlich den richtigen Besitzer für ein gezüchtetes Pferd gefunden zu haben.

Aber auch in ganz anderen züchterischen Bereichen heißt es „Loslassen„, z.B. von falschen oder überholten Vorstellungen und von fehlerhaften eigenen Einschätzungen. Jeder Züchter sollte seinen Stutenstamm immer wieder kritisch auf den Prüfstand stellen. „Runter mit der rosaroten Brille„ ist die Devise. Erfüllen die Zuchtstuten die objektiven und die eigen Anforderungen, die man an eine Zuchtstute stellt. Bringt die Stute die Fohlen, die man sich erhofft hat. Vielleicht ist gerade die Stute, in die man viel Hoffnung und möglicherweise auch Geld investiert hat, doch nicht die herausragende Vererberin, wäre aber ein gutes Sport- oder Freizeitpferd. Es ist allzu menschlich, dass es schwer fällt, die eigenen Pferde ohne „rosarote Brille„, ganz objektiv zu betrachten. Genau diese Fähigkeit trennt aber die guten (und erfolgreichen) Züchter von den weniger guten.

Loslassen und umdenken muss man aber mitunter auch bei Gedanken und Einschätzungen zum Zuchtgeschehen ganz allgemein. Johannes Hoyos sagt im Interview: „…ein Züchter (darf) nicht diskriminiert werden, wenn dessen Pferd nicht so gut abschneidet„. Mal Hand aufs Herz: wer hat nicht schon Pferde bei einer FIZO-Prüfung beobachtet und gedacht: „na, den Hengst (oder die Stute) hätte man hier wirklich nicht gebraucht, wer lässt den ein so schlechtes Pferd prüfen„. Und bei fast jedem Züchter bestehen die Überlegungen: „dieses Pferd lasse ich nicht prüfen, das schafft nie eine 8„. FALSCH! Jede Zuchtinformation bringt die gesamte Islandpferdezucht ein kleines bisschen vorwärts. Und jedes Pferd, das sich einer FIZO stellt, offenbart seine Stärken und Schwächen und gibt dem Züchter wichtige Informationen und bringt somit auch den Züchter weiter.

Loslassen bedeutet auch offen sein für Neues. Vermeintlich „sichere„ wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen angezweifelt werden (als Ärztin ist es mir vertraut, dass „unumstößliche„ Ansichten schon kurze Zeit später vollständig überholt sein können). Vielleicht ist es auch hilfreich, alte Seilschaften hinter sich zu lassen, neue Kontakte zu knüpfen, mit anderen Züchtern ins Gespräch zu kommen und damit neue Impulse aufzunehmen. Viele Neueinsteiger und kleinere Züchter haben mitunter Hemmungen, die „Großen der Szene„, renommierte Züchter oder Zuchtrichter anzusprechen.

Unser Tipp: „Nur Mut„, es „beißt„ keiner und alle Islandpferdefachleute, mit denen wir Kontakt hatten, sind sehr gerne bereit zu beraten und immer hilfsbereit, wenn es um UNSERE RASSE geht.

Carola Krokowski & Klaus Ohneberg

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